PrOfiL
No 106 mars 2004
PrOfiL 106

Stiftung Weiterschenken

 Kann man sich eine grosszügigere Geste vorstellen, als seine eigenen Organe zu spenden zu wollen, damit jemand anderes weiterleben kann ? Aber noch muss das Tabu gebrochen werden.. Daran arbeitet nach allen Kräften die Stiftung Weiterschenken.

 Die Stiftung Weiterschenken ist aus einer schönen, gleichzeitig  traurigen und glücklichen Geschichte entstanden. Anfangs 2002 verlor Pascale Lilla ihren l9 jährigen Sohn Denis in einem Autounfall. Denis hatte schon früh beschlossen im Fall der Fälle seine Organe zu spenden Nach seinem Tod hat die Familie diesen Entschluss respektiert, was 7 Menschen erlaubte weiterzuleben. Unter ihnen, Jem, der das Herz von Denis erhielt. Dank diesem riesigen Geschenk führt Jem heute ein unabhängiges Leben. Am 14. Oktober ist die Stiftung Weiterschenken gegründet worden. Pascale Lilla hat ihren Job aufgegeben und widmet sich heute ausschliesslich der Stiftung. Ihre Mission?

 Förderung der Organspenden durch Informations und Sensibilisationskampagnen und das Erstellen einer Datenbank, die alle potentiellen Spender umfassend erfasst. Bis heute gibt es keine zentralisierte Liste und die Schweiz verfügt noch über kein eidg. Gesetz, was die Organspenden anbelangt. Diese neue Datenbank wäre allen Spitälern und allen betroffenen Personen zugänglich. Die Stiftung zählt auf etwas 50 Freiwillige, die über die ganze Welschschweiz verstreut sind.

 Die Stimme von Sandra Ogay will überzeugen

 Sandra Ogay ist 35 Jahre alt, hat 2 Buben und wohnt in Vionnaz im Wallis. Sie arbeitet als Apothekerhelferin. Zum Glück wurde sie noch nie vor die Wahl gestellt Organe zu spenden oder zu empfangen. Sie ist wie wir alle und hofft, dies nie zu benötigen. Denkt jedoch, es sei eigentlich jedermanns Sache und weiss auch ,dass was sonst nur den anderen geschieht, auch uns selbst betreffen kann. Sie hat Denis’Geschichte in der Femina gelesen und dies hat ihr die Augen geöffnet. Für sie ist es ein so einfacher und selbstverständlicher Austausch. Sie hat sich seither voll für  die Stiftung eingesetzt. Sie arbeitet im Büro, hält Vorträge, arbeitet an den Ständen auf den Märkten und koordiniert die Gruppe Wallis. Ihr Wunsch wäre, dass man über Organspenden so offen spricht wie über AIDS. In ihren Ratschlägen betont sie immer wieder, dass der Wille des Verstorbenen im jeden Preis respektiert werden muss und dass ein Entschluss, wenn immer möglich, nicht unter dem Druck der Gefühle gefällt wird. Sie ruft alle. Die zögern, auf, den Schritt zu machen. Wenn mein Kind ein Organ brauchen würde, wäre ich bereit eines anzunehmen? Sie fügt bei:“Ein Organ anzunehmen bedeutet, eines spenden zu wollen.“

 Adressbüchlein

 Stiftung Weiterschenken, Postfach 90, 1816 Chailly-Montreux, www.passezlerelais.org

Swisstransplant, Nationale Schweizerische Stiftung für Organspenden und-Transplantationen www.swisstransplant.org  Bestellen der Spenderkarte Tel. 0800570234 (gratis)

As du coeur, schweiz. Verein der Herz- und  Lungentransplantierten www.asdecoeur.ch

Schweiz. Register der Knochenmarkspender www.knochenmarkregister.ch

  Die Schweiz im Schlepptau

Jeder von uns hat 20 Mal mehr Chancen ein Organ zu erhalten, als das Risiko eines zu spenden. In der Schweiz sind wir zwar an der Spitze der Transplantationchirurgie, aber die Anzahl der Spender ist sehr niedrig. Im Jahre 2002 waren es bloss 75, das heisst 10,4 Personen auf 1 Mio Einwohner, verglichen mit den 1137 Patienten, die auf der Wartliste stehen. Mit diesem schwachen Prozentanteil schneidet die Schweiz im europäischen Klassement schlecht ab, wo sie den zweitletzten Platz einnimmt. Dank einer grossangelegten nationalen Kampagne steht Spanien an der Spitze mit 27 Spendern auf 1 Mio Einwohner. Belgien folgt an zweiter Stelle mit 21,7 Spendern und einem zentralen Register,das es erlaubt, Spender und Empfänger zusammenzubringen. Um auf die Schweiz zurückzukommen, 80% der befragten Personen stehen der Organspende positiv gegenüber. Es tragen jedoch nur 10% die Spenderkarte auf sich, die es ermöglichen würde, im falle eines Todes, über die Organe zu verfügen, falls die Familie nicht dagegen ist.

 Dons d’Organes  „Wenn man Herz hat, gibt man Herz! Und nicht Kreuz!