RFE Zeitung
Kundgebung der Franzosen im Ausland
Frühling 2003 – No. 3
Der Club Jean d’Ormesson
und der Diplomatische Club stellen die Stiftung “Weiterschenken” (Passez le Relais) vor.

Am 6. Februar hatten wir das Vergnügen im Rahmen des Clubs Jean D’Ormesson, der für diese Gelegenheit mit dem Diplomatischen Club von Genf vereint war, den Herr Professor Christian Cabrol und seine Frau, Bérengère d’Autun, Mitglied der Comédie Française, zu empfangen.

Selber Sohn eines Chirurgen, hat uns Hr. François Laumônier, General Konsul von Frankreich in Genf, mit seiner Anwesenheit sowie der von ca. hundert Gästen geehrt, um dem Professor Cabrol zuzuhören und sich mit ihm zu unterhalten.

Dieser verdienstvolle Spezialist hat sich unter der Deckung des Vereins ADICARE, (Kardiologisches Institut der Gruppe Pitié-Salpétrière in Paris) bewegt, den er kreiert hat und den er präsidiert, um ein ernstes Thema zu behandeln: die Organspende.

Françoise Sagan erinnert uns daran in einem ihrer Werke, dass „Das Leben wie ein Musikstück sein sollte, man sollte ihm mindestens zweimal zuhören können“.

Von dieser Idee abgehend hatten wir das Quartett Manion Friends, das gerade aus Köln kam, eingeladen, um den Abend zu verschönern. Diese vier jungen Damen (zwei Violinen, eine Bratsche und ein Cello) bewegten sich von Tisch zu Tisch und bezauberten das Publikum während dreimal dreissig Minuten, nicht nur durch die Qualität ihrer Interpretation aber auch durch die Wahl ihres Repertoires.

Kommt der so lang erwartete Moment: Die Konferenz.

Der Professor Christian Cabrol „predigte” bewunderungswürdig.

Sein Gerede zwischen Freunden zeigte, bis zu welchem Punkt uns dieser Mensch mit immensem Charisma mit seinem Herzen zusprechen kann.

Wenn ein Verletzter unter Atmungshilfe ist, schlägt sein Herz, sein Blut ist warm, auch wenn sein Hirn klinisch tot ist.

Versuchen Sie doch, einer Mutter zum Verstehen zu geben, die wahrhaft an den Lippen des Chirurgen hängt: „Er lebt, sein Blut ist warm, sein Herz schlägt noch. Sie werden mir meinen Sohn retten, nicht wahr Herr Doktor?“

Es ist dieser Moment, in dem die ganze Arbeit anfängt. Es braucht Überzeugungskraft mit viel Taktgefühl. Noch mehr, sagt er: Zärtlichkeit.

Er ist mit dem versehen. Es genügt, ihn lächeln zu sehen: es ist ein 78-jähriges Kind, das sich noch bewundert. Sein Gesicht strahlte, als, wie alte Komplizen, die Professoren Faidutti und Paunier kamen, um ihn zu grüssen, und sie erinnerten sich an gute Momente. Das ist es, wozu diese ausserordentlichen Menschen tüchtig sind. Der Professor Cabrol, nachdem er uns an die ganze relativ kürzlich geschehene Geschichte über die Transplantation erinnert hat, (seit ca. fünfunddreissig Jahren betreffend die ersten), hat hervorgehoben, dass das einzige Mittel, um mehr Spender zu bekommen, jenes ist, den Pilgerstock zu nehmen und die guten Worte in den vier Ecken Europas zu predigen.

Die einzige Krankheit, die wirklich sterblich ist, ist das Leben!

Nach mehreren interessanten Wortwechseln, die das ganze Interesse des Publikums zeigte, hat der Professor Cabrol uns daran erinnert, dass er auch an dem Abend anwesend war, um die neue Stiftung „Weiterschenken“ (Passez le Relais), Initiative von Frau Pascale Lilla und ihrem jüngeren Sohn, zu unterstützen und zu entwickeln.

Sie erinnerte uns daran, in welchen Umständen diese Stiftung kreiert wurde:

Die Stiftung „Weiterschenken“ (Passez le Relais“ ist am 14. Oktober in Montreux in der Schweiz geboren.

Die Gründerin der Stiftung „Weiterschenken“ (Passez le Relais), Frau Pascale Lilla und Guy, ihr Sohn

Die Stiftung „Weiterschenken“ (Passez le Relais)

Unsere Mission:

- Eine Organspender-Karte in der Schweiz verteilen, deren Daten in einem informatisierten Register aufgenommen werden.
- Die Förderung der Organspende intensivieren.
- Informationskampagnen, Unterstützungsaktionen und Treffens-Tage mit dem Publikum organisieren.
- Freiwillige Botschafter unter den Persönlichkeiten der medizinischen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sportlichen Welt anwerben, die bereit sind, unsere Aktion in ihrem beruflichen, sozialen und familiären Kreis zu unterstützen.

- Ein Diskussionsforum auf unsere Web-Seite vorschlagen, das den betreffenden Personen erlauben wird, ihre Erfahrungen auszutauschen, sogar das Gespräch zwischen Empfänger und Spender-Familien, die sich wünschen, sich zu kontaktieren, zu vereinfachen.

Die Gründerin

Am 6. Januar 2002 hat Pascale Lilla den Willen ihres Sohns Denis respektiert, indem er seine Organe spenden wollte, ganz wie sein Bruder Guy und seine Mutter, die zwei Gründer der Stiftung „Weiterschenken“ (Passez le Relais). Denis ist in seinem 19. Lebensjahr an den Folgen eines Autounfalls gestorben. Denis hatte sich schon seit langem zu Gunsten der Organspende ausgesprochen. Seine Grosszügigkeit hat an sieben Personen erlaubt, ein neues Leben zu erleben. Sieben Empfänger, so viele Familien, die das Glück wieder gefunden haben!

In der Schweiz ist die Zahl der Spender besonders niedrig. In 2002 gab es 75 Spender, d.h. 10.4 Personen für 1 Mio. Einwohner, für 1'137 Patienten, die auf einer Warteliste eingeschrieben waren. Die Zahl der Empfänger auf der Warteliste wird jedes Jahr höher, aber die Zahl der Spender wird immer niedriger. Überzeugt dass eine bessere Förderung der Organspende erlauben würde, diese Situation zu verbessern, und Fr. Lilla erinnert uns daran, dass jeder von uns zwanzig mal mehr Chancen hat, Empfänger zu bekommen, als Risiken einzugehen, Spender zu werden. Pascale Lilla hat ihre Arbeit verlassen, um sich ganz diesem Zweck zu widmen. Mit ihr, mit Guy und mit allen, die an die Wohltaten der Solidarität glauben, schenken Sie weiter!

Heben wir den Schleier vom Tabu der Transplantation auf!

Zu viele Tabus gehen um die Praktik der Transplantation um. Man muss informieren. Man muss handeln. Senden Sie uns Ihre Erlebnisberichte, sprechen Sie davon um Sie herum. Wenn Sie schweigen, verhindern wir, dass die Organspende vorwärts kommt. Nur wenn wir uns wagen, diese Frage mit unserer Familie zu erörtern, werden wir verhindern, wehrlos schlimmen Unsicherheiten ausgesetzt zu sein, wenn es uns ein Unglück passieren würden, am Tag, wo Ärzte unsere Familie fragen werden, ob sie akzeptiert, die Organe des Familienangehörigen zu spenden. Der Tod ist ein Teil des Lebens. Der Tod kann das Leben geben. Vergessen Sie es nicht.

Die neue Karte, sie kommt bald.

Unsere Idee ist, ein Kommunikationskonzept zu kreieren. Zu wenige Personen sind informiert, dass ein Leben von einem Todesfall abhängig sein kann. Aus diesem Grund haben wir im Sinne, ein Dokument zu verteilen, das die Nützlichkeit der Spenderkarte „Weiterschenken“ (Passez le Relais) erklärt. Eine Karte, die den Willen von jedem respektiert, und dass es unmöglich sein wird, zu ignorieren. Das Dokument wird die Message mitteilen lassen, dass eines Tages die Einschreibung des Namen und der Adresse von jedem Spender erlauben wird, Leben zu retten.

Unsere Organisation

Liste der Mitglieder des Gründungsrats:

Präsident Hr. Charles Favre Arzt und Nationalrat
Vizepräsident Dr. Thierry D. Pache Frauenarzt & Geburtshelfer FMH
Mitglieder des Rats Fr. Akila Uldry Krankenschwester (hat Organe erhalten)
Fr. Claudine Nicollier Gemeindepräsident von Veytaux und Abgeordnete
Hr. Moritz Suter Gründer und ehemaliger CEO Crossair
Hr. Cristophe Misteli Doktor der Rechte, Advokat
Dr. Yves Guisan Chirurg FMH & Nationalrat
Hr. Julien Lilla Winzer
Treuhand Hr. Dominique Lustenberger Pricewaterhousecoopers SA
Büro Fr. Pascale Lilla Büroleiterin, Gründerin, Mutter des Spenders
Kassenwart Hr. Guy Lilla Freiwillig, Gründer, Bruder des Spenders
Notar Hr. Pascal Pitter Freiwillig, Notar

Ihre Unterstützung

Die Freiwilligen, die sich wünschen, an unseren Aktivitäten teilzunehmen, sind willkommen. Sie können uns mittels unsere E-Mail Adresse kontaktieren: info@passezlerelais.org

Die zum Zweck Organspende Sympathisanten können Ihre Unterstützung aussprechen, indem sie uns ihre Gaben an die folgende Adresse senden:

Banca del Gottardo Lausanne, Compte CD 648949.02 clearing 8613 CCP 69-6966-7

Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung. Dank Ihrer Solidarität werden wir diese einfache Message bei der öffentlichen Meinung vorwärts machen können: Ein Leben kann ein Leben retten. Und sogar mehrere....
Danke, dass Sie existieren!

Offenes Geheimnis

Von der Seite der Familie von Jem werden die Puzzle-Stücke auch zusammenkommen.
Im Frühling kreuzt der junge, 21-jährige Transplantierte eine Bekannte in Ouchy, die in Montreux wohnt. Die junge Frau wagt nicht, ihm zu sagen: „Du hast vielleicht das Herz von Denis?“ Denis? Jem Momtaz weiss noch nicht. Er und seine Eltern werden es zusammenbinden, als sie die Sendung der TSR „Comment ça va?“ (Wie geht’s) sehen, die an „La mort dans tous ses états“ (Der Tod in allen seinen Zuständen) gewidmet wurde. Pascale Lilla ist auf der Bühne und sie erzählt. Der transplantierte und seine Verwandte wissen es. Sie wissen, wer ihnen dieses Geschenk gemacht hat, das Leben von Jem zu verlängern. Jem, dessen Herz seit 5 Monaten fähig war, auf jedem Moment zu versagen.

In beiden Heimen vergehen die Wochen, eine nach der anderen. Jeder versucht, mit diesem offenen Geheimnis zufrieden zu sein. Des Respekts wegen. Am 24. September erträgt es Christine Meylan, die Mutter von Jem nicht mehr. Femina hat gerade einen Artikel über das Stiftungsprojekt der Dame aus Montreux publiziert. Das Bedürfnis von Wortwechsel ist zu gross. „Ich griff zu meinem Telefonapparat“ erzählt die Mutter von Jem. Am Telefonapparat auf der anderen Seite lockt die Mutter von Denis froh: „Es sind Monate, dass ich darauf warte!“.

Der Tod gibt das Leben

Einige Tage später treffen sich die zwei Mütter. Die Tasse Tee verlängert sich bis zum Abendessen. „Wir haben uns erkannt. Wir sind auf der Mutterkraft zusammengekommen. Auf dem Faden, der weitergeht. Wir hatten Durst, zu kommunizieren. Wir brauchten diese Klarheit: „Ein Stück von Denis ist in Jem, aber Denis ist ganz gegangen“, notieren im Chor Pascale und Christine, sehr klar in ihre Köpfe. Magischer Kontakt. Freude-Tränen. Geschenk des Lebens, trotz allem
.

Neues Leben. Seit der Transplantation hat Jem seine Unabhängigkeit wieder gefunden. Er ist wieder zu Hause, wo er ein fast normales Leben führen kann.
Beide haben nicht genügend Worte, um auszudrücken, wie diese geprüfte Wahrheit ihnen gut getan hat. Beide sind die lebenden Beweise, dass die Treffen zwischen Spender-Familien und Empfänger nicht unbedingt die Tür zu Schleudern öffnen. Beide sind sich bewusst, dass ihre Überzeugungen stören und die Debatte hervorrufen. Und um so besser, da sie dem absoluten Traum nachgehen, der ganzen Schweiz bewusst zu machen, dass die Organspende unerlässlich ist. Dass der Tod das Leben gibt.Vom Leben weiss Jem einiges. Myopathisch seitdem er 4 Jahre alt war, hat der junge Mann mehrmals riskiert, zu sterben. Auf den Tod von jemandem hoffen, um zu überleben. Er hat es gemacht, wie anderen in seiner Situation. Beim Warten auf das Organ, das ihn retten wird.
Schreckliche Realität, zu der er heute steht, gereift durch das Gelingen einer so erhofften Operation. Und vor allem zugesichert, zu wissen, dass er „nicht ein Herzen eines Kriminellen geerbt hat“.

Schenken Sie weiter!

Heute sind die potentiellen Spender in der Schweiz nirgends, in keinem Register eingeschrieben. Klar ist, wenn Sie Ihre Swisstranplant Karte nicht bei sich haben, kann ihr biologisches Testament durch andere Leute geändert werden“ insistiert Pascale Lilla. Diese Feststellung ist kein Vorwurf. Nur eine Realität. Die Dame aus Montreux hat sich entschieden, diesen Mangel zu füllen, beim Kreieren eine berufliche Entität, die alle potentiellen Spender in einer informatisierten Datenbank auflistet.

Die 40-jährige gibt sich Zeit bis Juni 2003/04, um 1 Mio. Franken zu sammeln und denkt, rund 10 belohnte Mitarbeiter einzustellen. Seit dem 14. Oktober ist die Stiftung „Weiterschenken“ (Passez le Relais) offiziell auf Gleis. Sie ist die ständige Direktorin, während der Arzt und Nationalrat Charles Favre sie präsidiert.
Passez le Relais: Tel. 021 964 19 15.

Gesetz in Vorbereitung

Die Schweiz verfügt noch nicht über ein Bundesgesetz betreffend der Entnahme und Transplantation von Organen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Kantone, die die Kompetenz haben, in diesem Gebiet Gesetze zu machen. Drei Modelle sind in Kraft:

- Die ausdrückliche Einwilligung
(JU, OW, SO, TI, UR): es braucht das ausdrückliche Einverständnis des Spenders oder deren Verwandte.

- Die vermutete Einwilligung
(AR, AI, FR, GR, LU, NW, SG, TG, VD, VS, ZH): Die Entnahme kann stattfinden, ausser wenn der Tote oder sonst seine Verwandte sich widersetzen.

- Die vermutete Einwilligung bis
Auch „Informationsmodell“ genannt (AG, BE, BS, BL, GE, NE): Wenn der Tote sich nicht ausgedrückt hat, als er am Leben war, haben seine Verwandte ein Oppositions-recht.

Mann muss trotzdem sagen, dass, wenn die Mehrheit der Kantone für die vermutete Einwilligung sich ausgesprochen hat, die ausdrückliche Einwilligung in der Praktik gewinnt. Ein Einbild-Gesetz-Projekt, das eben das Modell der Einwilligung im weiten Sinne befürwortet, ist in den Händen der Nationalrates-Kommission für die Sozial-Sicherheit und die öffentliche Gesundheit. Die ersten Debatte im Parlament könnten anfangs 2003 anfangen.

Zahlen für 2001

- Transplantierte Organe: 424
- Spender : 95
- Patienten auf Warteliste: 1030
- Todesfälle von Patienten, die auf der Warteliste eingeschrieben waren: 32.